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Wie Tierrechtler die Öffentlichkeit aufhetzen


Dieses ist ein Gastartikel!

Zu meiner Person: Rene Semla, DGHT Mitglied, seit Jahren Reptilienhalter, angehender Sachverständiger für Reptilien, Schwerpunkt Riesenschlangen und Krokodile, alle privaten Sachkundenachweise erfolgreich abgelegt (nebenbei bin ich sei 2010 auch Angler und Jäger)

Tierrechtsorganisationen fallen vor allem durch ihre unlauteren Methoden immer wieder negativ öffentlich auf, sei es durch Sachbeschädigung von Hochsitzen (1 „Vandalimus: Hochsitz durch Unbekannte zerstört“) oder durch öffentliche Aufrufe zur Randale (2 Peta „Tipps gegen Angler“), was in letzterem Fall zu recht auch eine Anzeige nach sich zog. Doch nicht immer sind es derart drastische Auswüchse, die für eine kurze Zeit eine gewisse Öffentlichkeit genießen. Die permanenten Fehlinformationen und ein gezieltes Aufhetzen der Öffentlichkeit, durch offensichtlich unwahre Behauptungen, wiegen auf lange Sicht weit schwerer, als ein kaputter Hochsitz, oder ein gestörtes Naturerleben beim Angeln, schaffen diese frechen Lügen es doch, langfristig eine breite Öffentlichkeit gegen jeden aufzuhetzen, der irgendetwas mit Tieren zu tun hat.

Traditionell sind die Exotenhalter hier leiderprobt und genießen unter Tierhaltern einen eher schlechten Ruf, was sie vor allem der jahrzehntelangen Schmähung und dem öffentlichem Einwirken radikaler Tierrechtler zu verdanken haben. Das Dilemma dabei ist vor allem, dass durch Kampangen Stimmung gemacht wird. Emotion ersetzt Sachverstand und Behauptungen werden nicht mehr durch Fakten überprüft. Diese „gefühlten Wirklichkeiten“, die in der Regel nichts mehr mit der Realität zu tun haben, werden im schlimmsten Fall Gesetz, da es Politikern vor allem um ihre Wiederwahl geht. Mit Emotion erreicht man die Massen, nicht jedoch mit Sachverstand und Fakten, dass ist auch der Grund, warum Verbote so attraktiv wirken, auch wenn sie am eigentlichen Problem vorbei gehen. Die Konsequenzen sind jedoch scharf und erzeugen nicht wenig öffentlichen Unmut (Nacht-Angelverbote in NRW, Haltungsverbote völlig harmloser Exoten in der Hälfte aller Bundesländer, Listenhunde in NRW und Berlin, auch werden Totalverbote der Tierhaltung, Angelei und Jagd schon seit Jahren diskutiert). Leider ist der Politik auch zuzutrauen, dass jeder Unsinn der von einigen wenigen gefordert, auch umzusetzten wird. Der Kampf um die öffentliche Meinung ist dabei zentral.

Dass haben Tierrechtler schon lange erkannt und machen sich daher große Medienhäuser und Gönner in Politik und Öffentlichkeit zu nutze, um jeden der etwas mit Tieren zu tun hat, zu bekämpfen. Sprechen Statistik und Fakten eine andere Sprache, wird man kreativ in der „Wahrheitsfindung“ (Gerati leistet bei der Aufdeckung hier seit Jahren hervorragende Aufklärungsarbeit) und wenn alles nichts hilft, wird man emotional. Geschürte Ängste lassen sich schließlich schlecht gesetzlich verbieten und sind im Gegensatz zu handfesten Lügen auch nicht gerichtlich anfechtbar.

An einem Beispiel kann man sich dass gut klar machen. Aktuell steht die Terraristika (mal wieder) negativ in der Kritik. Auslöser ist eine Presseanfrage der DPA vom 8.8.2019 ,die im Kern auf eine Kampagne von Pro Wildlife e.V. (einem Tierrechtsverein der Peta nichts nachsteht in Punkto Glaubwürdigkeit und kreative „Wahrheitsfindung“), zurückgeht (3) .Die Intention dürfte hier klar sein. Pro Wildlife will die große Reichweite einer Medienargentur gezielt nutzen um einen nicht gerade kleinen Teil der Tierhalter gezielt öffentlich schlecht zu machen. Die Terraristika ist dabei wiederholt das Ziel unlauterer Kampagnen von Pro Wildlife, wie eine kleine Auswahl an Artikeln hier zeigt: (4)

  • „Tierschützer protestieren gegen Reptilien-Börse Terraristika in Hamm (WR Rundschau 10.3.2011)“ ,

  • „Tierschützer kritisieren illegalen Tierhandel bei Terraristika-Messe in Hamm (WR Rundschau 8.3.2012)“ ,

  • „Besuch auf Deutschlands tödlichster Messe (Bild 9.3.2014)“ ,

  • „Weltgrößte Reptilienbörse in Hamm /Westfalen trägt zum Ausverkauf der Natur bei (Pro Wildlife 10.6.2013)“ ,

  • „Geschäft mit bedrohten Exoten (abendblatt 12.12.2015)“ ,

  • „Illegal gefangen, legal verkauft (taz 11.12.2015)“ ,

  • „Echsenschuppen überführen Schmuggler (Wdr 30.5.2016)“ ,

  • „Zoohandel künftig ohne Reptilien (Stuttgarter Zeitung 1.9.2016)“ ,

  • „Natur in aller Welt wird für den Heimtiermarkt geplündert (Deutschlandfunk 24.5.2019)“ ,

  • „CITES-Debatten über Schutz von mehr als 200 Tierarten im Heimtierhandel (Pro Wildlife 8.8.2019)“ .

Die Liste liese sich noch endlos fortsetzen. Immer wieder taucht der Name Pro Wildlife auf und leider auch DPA. Radikale Tierrechtler haben offenbar Gönner in großen Medienhäusern, da es immer wieder die selben Namen sind die hier auftauchen mit reißerischen Artikeln die viele Views versprechen und schlimmste Abgründe vermuten lassen. Journalistisch überprüft sind diese Behauptungen nie, sonst wäre jeder dieser Artikel in der Redaktion glatt durchgefallen. Die kreative „Wahrheitsfindung“ in Bezug auf illegalen Exotenhandel bei der Terraristika habe ich in einem älteren Artikel auf Gerati (Illegale Importe von Reptilien in Deutschland ein zentrales Problem?) bereits widerlegt, damals mit Zahlen vom WWF und dem Statistischen Bundesamt.

Aber man findet durchaus auch andere Quellen, die die Behauptungen von Pro Wildlife als fragwürdig erscheinen lassen, so erhebt das BfN (Bundesamt für Naturschutz) in Zusammenarbeit mit dem Zoll jährliche Statistiken über beschlagnahmte Exoten und eröffnete und vollzogene Strafverfahren. Betrachten wir einmal den Zeitraum von 2015 bis 2017 (5) , also lange nach dem Reptilienboom von 2012 (siehe anderen Gerati-Artikel):

Auf den ersten Blick sieht man dass die Anzahl an Verfahren gefallen sind von 1430 (2015) auf 981 (2016). Bei knapp 23.000 Anträgen im Jahr 2016. Die meisten davon wurden ürgiens eingestellt. 73 % eingestellte Verfahren 2015 und 62% eingestellt 2016. Allein dieser hohe Anteil an eingestellten Verfahren sollte klar machen, dass hinter dem Thema illegale Importe mehr Hysterie als Tatsachen stecken.  Rechnet man für 2016 die kleinen Bußgelder raus, die durch ein fragwürdiges Souvenir aus dem letzten Urlaub, ohne Cites Papiere entstehen, verbleiben für 2016 genau 42 Delikte von 22.962 legalen Importverfahren. Also 0,18 % . Damit ist klar, auch ohne Zahlen vom WWF sind „illegale Importe“ kein Problem und man fragt sich wie solche Fehl-Informationen alle Jahre wieder durch große Medienhäuser geistern.

Wie eingangs erwähnt wird durch derartige Artikel und unwahre Behauptungen ein falsches Bild erzeugt, dass dem Leihen klar machen soll, dass Exoten grundsätzlich nicht legal gehalten werden dürfen. Analog versucht man Angler als Tierquäler und Jäger als Totschießer zu diffamieren.

Das schlechte Image der neuen Exoten verdanken wir vor allem solchen Lügen und vergessen dabei oft gerne, dass so gut wie alle Haustiere Exoten sind. Genau diese unfairen Unterschiede in der Wahrnehmung haben Tierrechter erfolgreich geschafft zu etablieren und gestalten durch ihre Gönner in Politik und Medien Gesetzgebung wesentlich mit, ungeachtet der Tatsache, dass es nur sehr wenige sind. Wo gefühlte Wirklichkeiten die Meinungshoheit haben, sind die nächsten Fehlentscheidnungen der Politik nicht mehr weit und der Unmut wächst weiter. Eine Minderheit mit ihren verrückten und weltfremden Ideen kann nicht  langfristig gegen die Interessen der Mehrheit arbeiten. Tierhaltung und Tiernutzung sind fester Bestandteil der Lebenswirklichkeit der meisten Menschen.

Tierrechtler machen sich derweil weiter Feinde und große Medienhäuser weiter unglaubwürdig für ein paar mehr Views und Klicks.  Man muss sich fragen, ob es die Sache Wert ist.

Quellen:

1) Vandalimus: Hochsitz durch Unbekannte zerstört 27.7.2019

 https://www.jagderleben.de/news/vandalimus-hochsitz-unbekannte-zerstoert?fbclid=IwAR04w_Xa8zfRT5GPuZ8kpU4NM5LdrnOozjlOUdXUPm-_u0BBO1dGKChHDP4

2)  Rechtsanwalt Manuel Tripp stellt Strafanzeige gegen PETA Deutschland e.V. 13.8.2019

https://der-ausleger.de/strafanzeige-gegen-peta-deutschland/?fbclid=IwAR2ND9boKpJQFUM5n7i9XmchZN-tfJ0mTyRHOq7WcsIi0JE74WG4TByOAAc

3) http://www.terraristikahamm.de/content/2019_08_08_Offizielle_Stellungnahme_zur_aktuellen_Presseanfrage_der_DPA.pdf

4) Unter anderem:

https://www.wr.de/wr-info/tierschuetzer-protestieren-gegen-reptilien-boerse-terraristika-in-hamm-id4404965.html

https://www.wr.de/region/westfalen/tierschuetzer-kritisieren-illegalen-tierhandel-bei-terraristika-messe-in-hamm-id6440880.html?_ptid=%7Bjcx%7DH4sIAAAAAAAAAI2RTW_CMAyG_0vOBCVpm7TcyscYDLZJIMa4hdZtM0qa9YMipv33tdXYhLTDfLBkP35fWfYHkipEA3SBpL7sEmcmUA8ZGcNGQT1rCSPUw8TFlGPaZIqJjS1uYSq3y_pcvIXDYG_eTwR7TIR72AvXEg54oQ2RFFEYsIgJYTm21RjD2UCuQAfQWU-2s_HdfMX95cPwhk7OEFSlynQ3Rl1CnCgmcMCkCZbbOfeiQ0wzSFK7yI2otHuj94MfcZFk9RqOJpUlLFaP7HVKFs_PI8EbQSKLK0KDMq-gh8rvutM-rV-G_nxHFh7ZoF-2kbmSumxHdJWmPRTIo5Eq1sW1cVKF6jg64T_vJ2w81XI1UffruSDjkYn5f-6nTGMpRJ_RPuWsT-32W1UBuR-DLhsW1lm7aJmiAXU4J47LuPP5BbP4NxrlAQAA

https://www.bild.de/news/inland/reptilien/hier-schlaengelt-sich-deutschlands-toedlichste-messe-34990220.bild.html

https://www.prowildlife.de/pressemitteilungen/reptilien-deutschland-hamm-reptilienhandel/

https://www.abendblatt.de/nachrichten/article206816123/Geschaeft-mit-bedrohten-Exoten.html

https://taz.de/Reptilienmesse-in-Hamm/!5256626/

https://www1.wdr.de/wissen/technik/neue-methode-gegen-wildtierhandel-100.html

https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.bestrebungen-im-kreis-ludwigsburg-zoohandel-kuenftig-ohne-reptilien.472f6afd-8aaa-4d3e-ab74-f4cfdab17ef5.html

https://www.deutschlandfunk.de/wildtier-schmuggel-nach-europa-natur-in-aller-welt-wird.676.de.html?dram:article_id=449709

https://www.prowildlife.de/pressemitteilungen/handel-bis-zum-aussterben/

5) BfN 2015 bis 2017

https://www.bfn.de/themen/cites/statistik/andere-statistiken/details-nicht-im-menue/verstoesse-bundtabelle-beschl-einziehg.html

und

https://www.bfn.de/themen/cites/statistik/andere-statistiken/details-nicht-im-menue/bundesbehoerden-anzahl-dokumente.html


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